Themenfelder: Der Staat und seine Entwicklung, Ich selber sein – Leben in Gemeinschaft. Unterrichtsbeispiel Sekundarstufe, 8. Klasse.
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| Lernziele: | «Du wirst darauf aufmerksam, wie jemand zum Aussenseiter (gemacht) wird.» «Du kannst dich in eine Rolle einfühlen und mit deiner Gruppe ein situatives Rollenspiel gestalten.» |
| Thema: | «Ich möchte zu euch gehören – weiss aber nicht, ob ihr mich wollt.» |
| Grundidee: |
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| Zeit: | 2 Lektionen; am besten eine Doppelstunde |
Das Rollenspiel hat zwei sich beeinflussende Ebenen: den Schulstoff (Sachkompetenz) und die Beziehung zu den «anderen» (Selbst- und Sozialkompetenz). Einerseits fliesst beim Spielen das Vorwissen des Lernenden wie von selbst ein. Andererseits wird auch immer das Beziehungsgeflecht in der Gruppe sichtbar – und damit veränderbar.
Bei den Situationen handelt es sich um Ausgangslagen für kurze selbst gespielte Theaterszenen. Diese haben im Lernprozess eine besondere Funktion: Sie schaffen den Freiraum, damit sich die Schüler/innen im Lernfeld tummeln – ohne immer darauf bedacht zu sein, ob sie es jetzt schon «richtig» oder noch immer «falsch» machen. Der Grat, auf dem Lernende sonst häufig ängstlich wandern, indem sie lieber nichts sagen oder machen als etwas Falsches, wird dadurch zu einer komfortablen «Hochebene», auf der sie imitieren, experimentieren, spiegeln, Neues wagen – eben lernen – können.
Das Theaterspiel mit seiner Mischung von Fiktion und Realität schafft eine sinnvolle Laborsituation – ähnlich den Flugsimulatoren, wo Airline-Piloten lernen, ihre Maschinen in den Griff zu bekommen.
Vorspielen vor der Gruppe braucht ein Mass an Vertrauen in sich und die Zuschauenden. Es kann mit Einstiegen und guten Erfahrungen schrittweise aufgebaut werden. Bald werden die Szenen, rein schulstofflich betrachtet, «ergiebiger» ausfallen.
| Mögliche Spielerische Einstiege (E) zum Thema: | ||
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| E | Kreis, stehend: Alle wechseln den Platz, die …, grüne Augen haben (mit dem Velo in die Schule kommen), bei der Fussball-EM mitfiebern, Fussball langweilig finden, der Schweiz an der EM die Daumen drücken, (gerne Hip-Hop hören), folgender Aussage zustimmen: «Ich bin in der Pause lieber mit andern zusammen als alleine», … usw. | Mit harten und weichen Daten Mehrheiten/Minderheiten erzeugen |
| E | In Gruppen von 4–6: Jede Gruppe sammelt für sich möglichst viele Mehrheitsmerkmale («Die Mehrheit in unserer Gruppe hat mehr als 500m Schulweg, mag Spaghetti / Fussball / Hip-Hop, … ») Anschliessend stellt jede Gruppe 3–5 Merkmale der Klasse vor. |
Selber bewusst Kriterien schaffen, welche in Gruppen Mehr- und Minderheiten schaffen |
E |
Alle sitzen im Raum und machen sich Gedanken über jene Eigenarten, welche ihnen eine Akzeptanz in einer Gruppe erschweren. Anschliessend wählt jeder ein Tier, welches diese «hinderliche» Eigenschaft deutlich ausdrückt. In der Rolle des gewählten Tieres bewegen sich alle im Raum, beobachten, beschnuppern einander und nehmen nach Möglichkeit miteinander Kontakt auf. Danach bilden beieinander stehende Tiere 2er oder 3er Gruppen. In der Kleingruppe findet zur gewählten Tierrolle ein Austausch statt. |
Schattenseiten konkretisieren |
| Mögliche Gruppenbildung für die darauf folgende Spielsituation S: | ||
G |
Die Klasse steht in der Reihenfolge ihrer Schuhgrössen in eine Reihe. Ab Anfang der Reihe bilden jeweils 3 nebeneinander Stehende eine Gruppe |
Sich nach einem Kriterium zusammenfinden |
| Rollenspiel | ||
S |
3er-Gruppen: Verteilt die Rollen und erspielt folgende Szene und die Fortsetzung davon: «Zwei Lehrlinge haben ein Zimmer in ihrer WG zu vermieten. Es klingelt und an der Türe steht ein Albaner, der sich darum bewirbt.» Zeit für die Vorbereitung: ca. 10 min. Anschliessend spielen die Gruppen ihre Szenen vor. |
Beobachtungsmögl. für die Lehrperson:
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Reflexionsmöglichkeiten/Weiterarbeit (R): |
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R1 |
In den Spielgruppen: Konntest du so spielen, wie du es dir vorgenommen hast? |
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R2 |
Alle:
Ueberleitung vom Spiel zur Situation in der Klasse: 3er-Gruppen diskutieren zu folgender Frage: Welche Verhaltensweisen, Eigenschaften und Umstände machen einen Menschen zum Aussenseiter? Dazu werden einzelne Stichwörter auf Zetteln notiert. Plenum: Jede Gruppe klebt ihre Zettel auf eine lebensgross gezeichnete Figur und erläutert sie. Variante: Die 3er-Gruppen diskutieren Strategien, die es ermöglichen, in eine Gruppe/Clique aufgenommen zu werden |
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R3 |
Überleitung zum Thema Einbürgerung: Gruppenweise schlagen wir im Lexikon nach, was der Begriff «Normen» bedeutet und suchen
Oder: Wir erstellen eine Liste von Nationen (v.a. solche mit nennenswertem Ausländeranteil in der Schweiz) inkl. CH. In die nebenstehende Spalte setzen wir Eigenschaften und Wertvorstellungen, von denen wir annehmen können, dass sie typisch für die Menschen dieser Nation sind. In einem 2. Schritt ergänzen wir diese Liste mit Meinungen aus Interviews (Strasse, zu Hause). Abschliessend tauschen wir darüber aus, welche dieser Typologisierungen wir für falsch oder gefährlich halten und zwischen welchen Eigenschaften ein starkes Konfliktpotenzial liegt. |
Auseinandersetzung mit Normen, Bildern und Klischees |
R4 |
Dazugehören … zu einer Clique, zu einer Schulklasse, zu einer Fussballmannschaft – zu einem Staat: Kann ein Albaner Schweizer Bürger werden? Wenn ja, welche Voraussetzungen müsste er erfüllen? Wenn nein, weshalb nicht?
Fortsetzung: Eine Umfrage machen Fallbeispiel Erfahrungsberichte Einbürgerungsgesuch/Ausweisung. |
überleiten Vorwissen aktivieren |
Autor: Christian Hachen, Lehrer auf der Sekundarstufe I; Mitglied des Projektteams Natur-Mensch-Mitwelt der Zentralstelle für Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung des Kantons Bern, Ausbildung in Themenzentriertem Theater TZT * nach Heinrich Werthmüller
Literatur: «Zur Zeit: Einbürgerung»
TZT Impulse Nr. 2 «Aussenseiter integrieren», SI TZT Verlag,
Meilen
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