Die Schülerinnen und Schüler formulieren in einem für die Öffentlichkeit bestimmten Text ihre Gedanken zum Thema Heimat.
Die Texte auf dem Arbeitsblatt Was ist Heimat? werden gemeinsam gelesen, geklärt und gedeutet. Damit die Sch. die Gedichte als Impulse aufnehmen können, ist es wichtig, dass sie genügend Zeit bekommen, sich damit auseinander zu setzen. Zugänge können über das Malen, über fiktive Dialoge, gemeinsame Interpretationen, Rollenspiele etc. geschaffen werden.
Die Sch. schreiben eine Rede zum Nationalfeiertag. Das Thema lautet: Was ist Heimat? Die Sch. machen sich in ihrer Rede – unabhängig davon, ob sie einen Schweizer Pass haben oder nicht – Gedanken darüber, was für sie Heimat bedeutet, was ihnen daran lieb ist und was sie daran stört. Sch. mit ausländischem Hintergrund können ausserdem beschreiben, welches Verhältnis sie zur Schweiz haben.
Idealerweise werden die Reden für einen tatsächlich stattfindenden Anlass geschrieben. Es gibt bestimmt Gemeinden, die am 1. August auch nicht-volljährigen Jugendlichen Zutritt zum Rednerpult gewähren. Falls dieser oder ein ähnlicher Anlass nicht organisierbar ist, sollte mindestens eine andere Oberstufenklasse eingeladen werden, um die besten Reden anzuhören und anschliessend zu diskutieren.
Rund ums Schreiben von «1. August-Reden» kann auch die Bedeutung eines Nationalfeiertags thematisiert werden. Sch. mit ausländischem Hintergrund könnten an dieser Stelle erzählen, wie in ihrem Land der Nationalfeiertag begangen wird. Daraus ergibt sich unter Umständen ein interessanter Vergleich.
Hier haben Menschen in Bildern, Texten und Gedichten dargestellt, was Heimat für sie bedeutet oder nicht bedeutet. Als Vorbereitung zum Schreiben eines eigenen Textes kannst du den Gedanken dieser Menschen nachspüren, indem du ihre Texte zu verstehen versuchst, sie in Bildern darstellst oder eine Fortsetzung schreibst.
Heimat braucht jeder Mensch, denn dort findet er eine vertraute Umgebung und Geborgenheit. Aber Heimat ist nicht nur an Orte oder Länder gebunden. Heimat sind die Menschen, die uns verstehen und die wir verstehen.
Max Frisch
Vereinsamt
Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, –
wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!Nun stehst du starr,
schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr,
vor Winters in die Welt entflohn?Die Welt – ein Tor
zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
was du verlorst, macht nirgends halt.Nun stehst du bleich,
zur Winter-Wanderschaft verflucht,
dem Rauche gleich,
der stets nach kältern Himmeln sucht.Flieg, Vogel, schnarr
dein Lied im Wüstenvogel-Ton! –
Versteck, du Narr,
dein blutend Herz in Eis und Hohn!Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, –
weh dem, der keine Heimat hat!Friedrich Nietzsche
Wie sieht die Welt der Heimatlosen aus? Male ein Bild davon.
Achmed
Achmed
der Türke
sechs Jahre alt
in Deutschland geboren
lernt jetzt lesen
deutsch lesen
damit er die
Schrift an der Wand
entziffern kann
– Türken raus –Ralf Succo
Stell dir vor, du begleitest Achmed, als er die Schrift an der Wand liest. Was für ein Gespräch würdet ihr an dieser Stelle führen?
Ich bin angekommen
Ich bin angekommen
Lange liess ich auf Nachricht
euch wartenIch habe getastet
Doch ich bin angekommen
Auch dies ist mein Land
Ich finde den Lichtschalter schon
im dunkelnRainer Kunze
Die Sätze von Rainer Kunze sind alle auch im übertragenen Sinn gemeint. Das heisst, sie haben noch eine zweite Bedeutung, indem sie versuchen, eine Situation mit Hilfe eines einfachen Bildes zu beschreiben.
Zur Zeit:– Die Zeitschrift zur politischen Bildung» | schulverlag blmv AG | Gueterstrasse 13 | 3008 Bern | Telefon 031 380 52 52 | www.schulverlag.ch | Redaktion: Bruno Bachmann, Susanne Gattiker, Christian Graf-Zumsteg, Iwan Raschle | Gestaltung: Iwan Raschle, www.raschlekranz.ch | XHTML 1.1 validiert | Letzte Aktualisierung: 27.12.2004 22:54